Samstag, 9. Februar 2013
Freistellung
williwillig, 12:48h
"Sehr geehrter Herr Willig, unter Bezugnahme auf die letzte Betriebsversammlung teilen wir Ihnen mit, dass Sie bei der weiteren Abwicklung nicht mehr benötigt werden. Wir stellen Sie hiermit unwiderruflich unter Anrechnung etwaiger Urlaubsansprüche ab dem 1. Februar frei. Wir stellen Ihnen anheim, sich ab dem 1. Februar bei der für Sie zuständigen Arbeitsagentur arbeitslos zu melden."
Bumm - damit endet am frühen Nachmittag des 31. Januars nach 8906 Tagen mein bis dahin ununterbrochenes Arbeitsleben Jetzt ist es also amtlich! Insolvenz. Der steigende Stern am lokalen Medienhimmel ist verglüht. Nach insgesamt etwas mehr als drei Jahren gehen in dem jungen und aufstrebenden Verlag - für den ich vor rund drei Jahren einem renommierten Tageszeitungsverlag den Rücken gekehrt habe - die Lichter aus.
"Als zukunftsorientiertes Unternehmen vereinen wir unser fundiertes Wissen aus Verlagswesen, Webentwicklung und Marketing zu einer einzigartigen Marke:
Die Kombination von regionalen Print- und überregionalen Online-Medien ergibt (...) ein sehr effektives und gleichzeitig effizientes Vermarktungsinstrument. Unser Team hat zudem den eindeutigen Anspruch und die Kompetenz, etwas Außergewöhnliches für Sie zu schaffen (...) - und dies immer mit Blick für das Wesentliche!"
Naja - fast. Die Idee war toll, die (meisten) Leute waren prima, aber wenn man als "wesentlich" solch profane Dinge wie eben die Wirtschaftlichkeit bezeichnet, dann ging besagter Blick wohl doch ganz knapp an der Realität vorbei.
Hat mich die Insolvenz überrascht? Nein, wahrscheinlich genauso wenig, wie die meisten Kollegen. OK, der eine oder andere hat noch an den Endsieg großen Durchbruch geglaubt, allerdings wurden die zustimmenden Kommentare zu E-Mails aus der Geschäftsführung oder Betriebsversammlungen wegen anstehendem temporären Gehaltsverzicht zunehmend leiser, die Abstände zwischen "entscheidenden Terminen für die Zukunft des Verlages" kürzer. Trotzdem hat die finale Nachricht von der Insolvenz "reingehauen". "38 Angestellte, 5 Auszubildende und 816 geringfügig bzw. kurzfristig Beschäftigte", so die eigene Pressemitteilung, sind davon betroffen. Das sehe ich anders, denn dahinter stecken natürlich Familien - wie viele weiß ich selbst nicht so genau. In meinem Fall sind Ehefrau und zwei Söhne (11 und 7) mindestens genauso betroffen. Einer der (zuletzt noch) 38 Angestellten bin war ich:
Willi Willig, 43 Jahre alt, Lokalredakteur, -reporter und -fotograf mit (viel) Leib und Seele - aber eben zum ersten Mal im Leben auch arbeitslos.
Wenn ihr Lust habt, begleitet uns auf der Reise in die Arbeitslosigkeit - aber hoffentlich auch wieder zurück! Denn eines ist sicher: der Typ, der den Kopf jetzt in den Sand steckt bin ich nicht!
Bumm - damit endet am frühen Nachmittag des 31. Januars nach 8906 Tagen mein bis dahin ununterbrochenes Arbeitsleben Jetzt ist es also amtlich! Insolvenz. Der steigende Stern am lokalen Medienhimmel ist verglüht. Nach insgesamt etwas mehr als drei Jahren gehen in dem jungen und aufstrebenden Verlag - für den ich vor rund drei Jahren einem renommierten Tageszeitungsverlag den Rücken gekehrt habe - die Lichter aus.
"Als zukunftsorientiertes Unternehmen vereinen wir unser fundiertes Wissen aus Verlagswesen, Webentwicklung und Marketing zu einer einzigartigen Marke:
Die Kombination von regionalen Print- und überregionalen Online-Medien ergibt (...) ein sehr effektives und gleichzeitig effizientes Vermarktungsinstrument. Unser Team hat zudem den eindeutigen Anspruch und die Kompetenz, etwas Außergewöhnliches für Sie zu schaffen (...) - und dies immer mit Blick für das Wesentliche!"Naja - fast. Die Idee war toll, die (meisten) Leute waren prima, aber wenn man als "wesentlich" solch profane Dinge wie eben die Wirtschaftlichkeit bezeichnet, dann ging besagter Blick wohl doch ganz knapp an der Realität vorbei.
Hat mich die Insolvenz überrascht? Nein, wahrscheinlich genauso wenig, wie die meisten Kollegen. OK, der eine oder andere hat noch an den Endsieg großen Durchbruch geglaubt, allerdings wurden die zustimmenden Kommentare zu E-Mails aus der Geschäftsführung oder Betriebsversammlungen wegen anstehendem temporären Gehaltsverzicht zunehmend leiser, die Abstände zwischen "entscheidenden Terminen für die Zukunft des Verlages" kürzer. Trotzdem hat die finale Nachricht von der Insolvenz "reingehauen". "38 Angestellte, 5 Auszubildende und 816 geringfügig bzw. kurzfristig Beschäftigte", so die eigene Pressemitteilung, sind davon betroffen. Das sehe ich anders, denn dahinter stecken natürlich Familien - wie viele weiß ich selbst nicht so genau. In meinem Fall sind Ehefrau und zwei Söhne (11 und 7) mindestens genauso betroffen. Einer der (zuletzt noch) 38 Angestellten bin war ich:
Willi Willig, 43 Jahre alt, Lokalredakteur, -reporter und -fotograf mit (viel) Leib und Seele - aber eben zum ersten Mal im Leben auch arbeitslos.
Wenn ihr Lust habt, begleitet uns auf der Reise in die Arbeitslosigkeit - aber hoffentlich auch wieder zurück! Denn eines ist sicher: der Typ, der den Kopf jetzt in den Sand steckt bin ich nicht!
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